Tablets auf der Baustelle – Bruchsicher oder Bruchgefahr?

Tablets auf der Baustelle

Mobile Endgeräte bieten ein enormes Digitalisierungspotential für das Baugewerbe. Ob Status-Updates in Echtzeit, die Meldung von Mängeln oder Sicherheitsrisiken, Mobilgeräte erlauben es, alle Beteiligten auf der Baustelle umfassend zu vernetzen. Im letzten Artikel wurden die Möglichkeiten von Smartphones auf der Baustelle diskutiert, doch auch Tablet-Computer werden hier immer häufiger eingesetzt, da sie mehr Leistung und höhere Soft- und Hardwarekompatibilität bieten.

Doch auch hier haben viele Bauunternehmer bedenken. Auf den ersten Blick wirkt der große, unhandliche Bruder des Smartphones gänzlich untauglich für die extremen Belastungen auf der Baustelle. Die Hersteller haben sich jedoch praktikable Lösungen überlegt. Im Folgenden bieten wir einen Überblick über die verschiedenen Möglichkeiten.

Rugged-Tablets – Die richtigen Tablets auf der Baustelle

Das Rugged-Tablet ist, ähnlich wie das Rugged-Smartphone, eine mobiles Endgerät, das speziell dafür entwickelt wurde, den extremen Belastungen eines Handwerkeralltags standzuhalten. Die Bruchsicherheit bei hohen Stürzen ist dabei die wichtigste Eigenschaft, aber auch die Staub-, Wasser- und Temperaturresistenz sind für die Arbeit auf der Baustelle von hoher Bedeutung.

Zudem hat man anders als bei Rugged-Smartphones bei der Tablet-Variante die Wahl zwischen dem Windows- oder Android-Betriebssystem. Windows-Tabletts sind voll funktionsfähige Windows-Rechner und ermöglichen die Arbeit mit den selben Programmen wie ein herkömmlicher Desktop- oder Laptop-Computer. Dadurch ist die Integration eines Windows-Tablets in das bestehende IT-Konzept Ihres Unternehmens am allereinfachsten; man kann das Tablet einfach wie einen zusätzlichen Rechner behandeln. Tablets mit dem Windows-Betriebssystem sind in der Regel auch leistungsstärker und haben die Möglichkeit mit mehr Hardware wie Lesegeräten verbunden zu werden. Sie kosten jedoch auch in der Regel mehr als die Android-Alternative.

Android-Tablets verwenden das etablierte Betriebssystem für mobile Endgeräte von Google und werden somit auch von einer Vielzahl an Softwareherstellern für mobile Applikationen unterstützt. Dennoch sind die Mobil-Versionen selten so leistungsfähig wie ihre Laptop-Versionen und nur wenige sind für große, hochauflösende Displays optimiert. Auch die Rechenleistung des Geräts selbst ist oftmals schlechter als die der Windows-Tablets. Dafür sind die Preise von Android-Tablets in der Regel niedriger.

Wer bei der Leistung, Funktionalität und Kompatibilität seines Tablets keine Abstriche machen möchte, dafür aber auch gewillt ist, einen höheren Preis zu zahlen, ist bei den Windows-Tablets bestens aufgehoben. Demjenigen, der sich auf der Baustelle auf ein Paar Schlüsselaktivitäten mit seinem Tablet beschränken möchte, ist das Android-Betriebssystem zu empfehlen. Da Apple (noch) keine Rugged-Tablets produziert, kommt das iOS in dieser Entscheidung nicht infrage.

Auf das Display kommt es an

Ein Thema, das bei der Wahl des Rugged-Tablets besser nicht übersieht ist die Lichtspiegelung im Display. Hier gibt es zwei Optionen. Entweder man verwendet einen glänzendes oder einen mattes Display. Beide Optionen haben Ihre Vor- und Nachteile.

Glänzende Displays bieten einen hohen Farbkontrast, viel Helligkeit und dunklere Schwarztöne. Jedoch spiegeln sie auch Sonnenlicht und ihre Umgebung wieder. Spiegelungen direkter Sonneneinstrahlung, die vom Display reflektiert werden, behindern nicht nur das Ablesen des Displays deutlich, sondern können auch die Augen strapazieren.

Matten Displays fehlt es zwar ein wenig an Farbkontrast und dunklen Schwarztönen, jedoch zerstreuen sie das Sonnenlicht auf der matten Oberfläche des Bildschirms und blenden somit nicht.

Außerdem ist es wichtig, sich über die Batterielaufzeit des Geräts Gedanken zu machen. Abgesehen von der tatsächlichen Benutzungsdauer einer Batterieladung ist die Möglichkeit die Batterie auszutauschen auch ein wichtiger Entscheidungsfaktor. Manche Modelle besitzen sogar zwei Batterien, damit beim Austauschen einer der Batterien der Rechner nicht heruntergefahren werden muss.  Hierbei muss individuell abgewägt werden, welche Anforderungen die eigene Arbeitsweise mit sich bringt.

Zu guter Letzt kommen die Anschlussmöglichkeiten eines Tablets ins Spiel. Von microUSB zu USB-C ist auf dem Tablet-Markt alles vertreten. Manche Hersteller bieten sogar Erweiterungsbusen, mit denen zusätzliche Hardware wie Wärmebildkameras oder 3D-Messgeräte direkt an das Tablet angeschlossen werden kann. Hier gilt wieder, sich anhand des eigenen Anwendungsspektrums die dafür nötigen Anschlussmöglichkeiten heraus zu suchen.

Unsere Empfehlung: das Toughpad FZ-M1 von PanasonicToughpad Tablet für die Baustelle

Das preisgekrönte Tablet hat einen 7-Zoll Display mit einer Auflösung von 1280×800 Pixel. Mit dem Intel Core-i5-4320Y vPro – Prozessor, 128 GB SSD-Harddrive und 4 GB RAM läuft das Gerät sehr flüssig und zuverlässig. Bei einem Preis von ungefähr 1.350€ ist das Toughpad ein Einsteigermodell in den Rugged-Markt, bietet aber bereits eine sehr fortgeschrittene Funktionalität.

Das Panasonic-Tablet wurde auf die Robustheitsklassen MIL-STD 810G und IP-65 getestet und widersteht somit Stürzen von bis zu 180 cm, ist staubdicht und  gegen Strahlwasser aus einem beliebigen Winkel geschützt.

Das Toughpad läuft auf Windows 10 Pro und ist somit mit jeglichen Windows-Programmen kompatibel. Selbst Software, die nicht für den mobilen Gebrauch optimiert wurden, ist mit dem mitgelieferten Touchpen nutzbar.

Der matte Display erlaubt das Arbeiten in dunklen wie in stark beleuchteten Umgebungen. Der Touchscreen ermöglicht zusätzlich die Arbeit mit dem mitgelieferten Touchpen, Handschuhen oder sogar bei Regen. Dadurch ist das Toughpad unabhängig vom Wetter im Freien einsetzbar.

Der Batterielaufzeit ist leider die Achillesferse des Toughpad. Auf seiner Webseite verspricht der Hersteller Panasonic bis zu 8 Stunden Akkulaufzeit. Stellen Sie sich jedoch lieber auf 6 Stunden ein. Dennoch besteht die Möglichkeit, die Batterie auszutauschen. Mit dem Panasonic „Hotswap“ können sie dies sogar tun, ohne das Gerät ausschalten zu müssen. Optional kann man auch auf eine Batterie mit 20 Stunden Laufzeit aufrüsten, dies jedoch nur gegen Aufpreis.

Die richtige Verbindung

Um maximale Konnektivität zu ermöglichen, ist das Toughpad FZ-M1 mit einer Vielzahl an Verbindungen ausgerüstet. Wifi-Kompatibilität, GPS, sowie Bluetooth 4.0 und eine optionale 4G-LTE-Verbindung mit dazugehörigem microSIM-Karten Slot sind gegeben. Darüber hinaus besitzt das Toughpad USB 3.0, microSD und LAN-Anschlüsse, sowie NFC- und RFID-Lesefunktion (mehr zu Einsatzmöglichkeiten von RFID finden Sie hier).

Das Tablet besitzt einen Erweiterungsbus, an den man zusätzliche Messgeräte anschließen kann. Panasonic selbst bietet hier verschiedene Apparaturen. Am interessantesten sind hier die Wärmebildkamera mit einer Temperaturauflösung von 0,05°C und der 3D-Messungsaufsatz „Realsense“. Dies erweitert die Einsatzmöglichkeiten des Tablets weit über die Grenzen eines herkömmlichen Laptop- oder Desktop-PCs hinaus.

Tragetaschen: So ist Ihr Tablet immer dabei

Das Thema Schutzhüllen und Panzerglas wurde bereits in einem vorherigen Artikel behandelt. Hierbei ändert sich nicht viel zwischen Smartphones und Tablets. Jedoch tritt mit dem größeren Display ein ganz anderes Problem auf: die Handlichkeit. Der große Display bietet zwar mehr Möglichkeiten als ein Smartphone, macht die Nutzung und das Verstauen eines Tablets jedoch um einiges schwieriger.

Für dieses Problem haben sich einige Anbieter eine Lösung überlegt: Tragetaschen, die Riemen zum Umhängen, Schnallen zum Festhängen und Griffe zum Festhalten haben.

Unsere Empfelung: Die Otterbox Active II Utility Latch

Tablethalterung für die Baustelle

 

Die Utility Latch von Otterbox ist einzig und allein eine Haltevorrichtung und keine vollwertige Tablet-Hülle. Jedoch erfüllt es diesen Zweck besonders gut. Die Haltevorrichtung wird mittels elastischer Schlaufen an den Ecken des Tablets befestigt. Sie besitzt eine Handschlaufe, die um 90° rotiert werden kann, einen verstellbaren Schultergurt und eine integrierte Tasche für Zusatzakkus, Stifte und Ladegeräte. Somit bietet das Utility Latch bei einem Verkaufspreis von ungefähr 30€ die Möglichkeit, das Tablet bei der Benutzung sicher zu halten und danach auch sicher zu verstauen. Mit dem Utility Latch von Otterbox wird aus einem unhandlichen Tablet-PC ein ergonomisches und baustellentaugliches Werkzeug.

Fazit:

Ähnlich wie Smartphones, werden auch Tablets auf der Baustelle immer relevanter. Jedoch stellen sie auch sie auch ein Investment dar, das es vor den extremen Bedingungen auf der Baustelle zu schützen gilt. Hierbei bieten Rugged-Tablets nicht nur Bruchsicherheit, Staub- und Wasserresistenz, sondern weitere Möglichkeiten, wie Anschlüsse für Messgeräte, um die mobilen Funktionalitäten zu erweitern. Über den Schutz des Geräts durch Hüllen oder Displayfolien hinaus ist es zudem wichtig, eine ergonomische Handhabung durch Haltevorrichtungen zu gewährleisten.

Bildquellen:

  • https://thedroidguy.com/2018/07/best-rugged-android-tablets-money-can-buy-98328
  • https://business.panasonic.de/computerloesungen/toughpad/FZ-M1
  • https://shop.bechtle.hu/de/product/otterbox-tab-active-2-utility-latch–4225112