Drohnen auf der Baustelle: Ein Überblick

Drohnen auf der Baustelle

Seit einigen Jahren haben Drohnen einen regelrechten Boom. Hersteller bringen regelmäßig neue Modelle mit immer neuen Fähigkeiten auf den Markt: Von verbesserten Flugeigenschaften hin zu neuen Kameras, Sensoren und Werkzeugen, um die Umgebung zu erfassen und mit ihr zu interagieren. Wir fassen Ihnen das Wichtigste zu Drohnen in der Baubranche zusammen.

 

Dieser Artikel befasst sich mit

  • den technischen Möglichkeiten moderner Drohnen
  • gängigen Einsteigermodellen für die Baubranche
  • dem preislichen Rahmen und
  • der aktuellen Rechtslage.

Alle Zahlen, Preise, sowie Informationen zur Rechtslage sind sorgfältig recherchiert, jedoch können wir auf diese keine Gewähr geben.

Drohnen in der Baubranche

Die Drohnen-Technik hat in den letzten Jahren große Sprünge gemacht, denn was ehemals als High-Tech Ausstattung galt, ist heute bereits auf dem Massenmarkt. So erfassen auch bei Standardmodellen mittlerweile Abstandssensoren kontinuierlich die Umgebung, verhindern selbständig Zusammenstöße und halten den Flug stabil. Auch Laien können die Geräte nach nur kurzer Eingewöhnung selber steuern. Echtzeitaufnahmen der Drohnen-Kamera können vom Piloten mitverfolgt werden und erleichtern die Steuerung. Oft kann der Pilot die Kamera separat kontrollieren und Bilder und Videos hochauflösend aufnehmen. Fortgeschrittene Modelle können auch mit Wärmebild- oder Nachtsicht-Kameras, Laser-Scannern und anderer Nutzlast ausgerüstet werden.

Drohnen fliegen sich heute wie von allein und erlauben somit dem Nutzer, sich voll und ganz auf die praktischen Anwendungen zu konzentrieren. Die Grenzen des Möglichen liegen dabei oft nicht mehr im Bereich technischer, sondern vielmehr rechtlicher Grenzen. Dazu aber später mehr.

In der Baubranche finden sich schnell praktische Anwendungen für Drohnen. Die meisten (halbprofessionellen) Drohnen starten preislich im unteren vierstelligen Bereich. Sie verfügen über Bild und Video Funktion, können Routen (über „POI“, Points of Interest) abfliegen und haben GPS Systeme, über welche meist auch die Position von Aufnahmen erfasst wird. Das ermöglicht Bereiche von Gebäuden, Geräten oder Baustellen zu inspizieren, die sonst nur schwer zugänglich sind. Neben Untersuchungen können Sie mit Drohnen auch leicht übersichtliche Aufnahmen zu allerlei Zwecken, wie der Erfassung des Baufortschritts machen.

Praktische Drohnen am Bau

Mit nahezu unbeschränkten technischen Möglichkeiten ist der entscheidende Faktor auch bei Drohnen der Preis.

Marktführer ist der chinesische Hersteller DJI. Dieser hat gleich mehrere Modelle für die professionelle Nutzung im Angebot. Am interessantesten sind hier die Modelle „Phantom 4“ (1400-1700€), und die „Inspire“-Reihe (Modell 1 ab 2300€, Modell 2 ab 4800€). Die meisten DJI Drohnen benötigen mit der Standard-Fernsteuerung zusätzlich ein Smartphone oder Tablet (IOS oder Android). Lesen Sie hierzu auch unsere anderen Artikel zu Smartphones und Tablets auf der Baustelle.

Der Konkurrent Yuneec, ebenfalls aus China, bietet mit den Typen „Tyhoon H“ (800€ in der Standardversion, 2400€ in Wärmebild-Version), Typhoon H Plus“ (1700€) und „H520“ (1540€) Modelle, die gezielter für professionelle Anwendungsbereiche wie die Baubranche entwickelt sind. So bietet der Hersteller auch auswechselbare Kameras an. Die Wärmebild- und Restlicht-Kamera „CGOET“ ist ab 1990€ erhältlich und kann mit dem Typhoon H und H520 verwendet werden. Während DJI für einige Modelle auch wechselbare Kameras anbietet, ist eine Wärmebildkamera vom Hersteller hier noch nicht verfügbar.

Suchen Sie nur eine leicht zu bedienende Drohne um Luftaufnahmen zu machen, ist die DJI Phantom 4 Pro die beste Wahl was Preis-Leistung angeht.

Wenn Sie auf jeden Fall Wärmebildaufnahmen machen wollen, ist die Yuneec Typhoon H mit Thermalkamera eine gute Wahl. Eine Standard-Farben Kamera müssen Sie jedoch wenn nötig noch extra kaufen.

Verarbeitung von Drohnen-Aufnahmen

Das Speichern Ihrer Aufnahmen erfolgt in gängigen Kamera-Formaten, die Sie über SD Karten auslesen können. Diese können auf dem Rechner oder Mobilgeräten angesehen und bearbeitet werden. Sie können in Computer-Modelle eingefügt werden oder mit Hilfe von Photogrammetrie-Software zu 3D Modellen berechnet werden (z.B. Agisoft PhotoScan: ab 180€, benötigt leistungsfähigen Rechner, oder Autodesk ReCap: 390€/Jahr, arbeitet auf kostenpflichtiger Autodesk-Server-Cloud).

Um lediglich Bilder und Videos zu verwalten, genügen die gängigen Standardprogramme, mit denen Sie wahrscheinlich bereits regelmäßig arbeiten. Wenn Sie Aufnahmen gemacht, oder bereits ausgewertet haben, ist der letzte Schritt, diese mit Ihrem Team oder Kollaborateuren zu teilen. Nur so profitieren auch diese von den gewonnenen Informationen. Bilder, Videos und 3D-Modelle können Sie hierzu am einfachsten über Prozeo ComBind in ein bereits bestehendes Projekt laden. Hier können Sie auch genau zuteilen, welchen Projekt-Beteiligten Sie darauf Zugriff geben. So stellen Sie sicher, dass erkannte Probleme oder Mängel schnell für die Verantwortlichen ersichtlich werden und diese angemessen handeln können.

Rechtliche Regelungen

Aber welche rechtlichen Regelungen müssen Sie bei der Nutzung von Drohnen beachten? Auch für Drohnen ist eine Haftpflichtversicherung nötig. Ein „Führerschein“ oder genauer „Kenntnis-Nachweis“ ist jedoch erst ab einem Startgewicht von 2kg erforderlich. Die in diesem Artikel genannten Drohnen liegen in der Regel darunter, mit Ausnahme der DJI Inspire Modelle und je nach zusätzlicher Nutzlast die Typhoon H520.

Ab einem Startgewicht von 0,25 kg, also praktisch bei jeder professionell einsetzbaren Drohne, muss der Pilot eine feuerfeste Plakette fest am Fluggerät anbringen, welche den Besitzer verrät. Hierauf gehören zudem Adresse und Telefonnummer. Entsprechende Plaketten sind für wenige Euro im Internet bei mehreren Anbietern verfügbar.

Drohnen dürfen in Deutschland nur auf Sichtflug geflogen werden. Die maximale zulässige Flughöhe beträgt 100m, sofern kein Kenntnisnachweis und/oder eine Erlaubnis der Landesluftbehörde vorliegt.

In speziellen Bereichen wie der Nähe von Flugplätzen, Polizeieinsätzen, bestimmten Industrieanlagen etc ist der Betrieb verboten. Manche Steuerungs-Systeme, wie zum Beispiel jenes von DJI haben eine Bibliothek solcher Sperrzonen bereits einprogrammiert und warnen den Piloten, sollte man in deren Nähe kommen.

Bei allen Drohnen-Aufnahmen sollten Sie, ähnlich wie bei gewöhnlicher Fotografie auch, die Privatsphäre anderer Personen zu beachten. Weitere Informationen finden Sie auch auf dem Datenblatt des Verkehrsministeriums: https://www.bmvi.de/SharedDocs/DE/Anlage/Presse/PM-50-drohnenverordnung-final.pdf?__blob=publicationFile