Lohnt sich BIM Anwendung nur bei Großprojekten?

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Hört man von Projekten, die mit BIM Anwendung gebaut werden, sind es meist große, komplexe und prestigereiche Projekte wie Krankenhäuser und Konzernzentralen. Aber kann BIM auch beim klassischen Einfamilienhaus helfen?

Dieser Artikel befasst sich mit:

  • Was BIM ist und wo es her kommt,
  • der noch schwachen BIM Nutzung bei kleinen Unternehmen
  • dem Potential der durchgängigen BIM Kette über Planung-Bau-Instandhaltung,
  • den Vorteilen von BIM bei Bauprojekten aller Größe.

Funktion und Herkunft des BIM

BIM (kurz für Building Information Modeling) ist der nächste Schritt in der Weiterentwicklung von computergestützter Bauplanung. Die Planung mit BIM erfolgt an einem einzigen dreidimensionalen Modell. Jedes geplante Bauteil ist dabei  mit weitergehenden Informationen gespickt. So werden beispielsweise Kollisionen frühzeitig in der Planung erkannt. BIM erleichtert aber auch die Ausführung: Zu jedem Bauteil gehören nun Angaben zum Material, Abhängigkeiten, Kosten und Reihenfolge in der Bauausführung.  

Bereits 1994 traf sich der Vorgänger der heutigen Industrieinitiative „BuildingSMART“ erstmals. Diese Initiative entwickelte nach und nach das Fundament für BIM und die damit verbundenen Datenformate wie IFC. Gründungsmitglied war auch Autodesk. Heute gilt Autodesk als führender Hersteller für Planungssoftware, auch in Hinblick auf BIM Anwendungen. Ein BIM-Planungsmodell verbindet alle Beteiligten eines Bauprojekts in Echtzeit und über räumliche Entfernungen hinweg. Vorbei sind die Zeiten von veralteten Planständen und Planungsfehlern. Alle Mitarbeitern arbeiten gleichzeitig am selben Modell, oder greifen darauf zu. Das führt auch zu einer neuen Arbeitsweise, wie Sie hier lesen können.

Kleinere Unternehmen halten nicht mit

Die Vernetzung in der Erstellung des Planungsmodells schreitet immer schneller voran. Die Anwendung bei den einzelnen Gewerken hinkt aber oft noch hinterher. BIM Anwendung ist in Deutschland nicht verpflichtend und wird oft nur bei wenigen Großprojekten gefordert. Kleinere Handwerks- und Bauunternehmen haben zudem derzeit volle Auftragsbücher. Hier fehlen oft Zeit und Druck sich mit der Thematik auseinander zu setzen: „Für einen Großteil der Bauindustrie wird zunächst die Digitalisierung von Teilbereichen – wie Ausschreibungsunterlagen, Stundenerfassung, Erfassung von Material an Baustellen oder Maschinenbewirtschaftung – eine größere Rolle spielen als BIM.“, sagt Dieter Diener, Hauptgeschäftsführer der Bauwirtschaft Baden-Württemberg in einem Pro-Contra-Artikel der VDI Nachrichten dazu. In Deutschland gibt es bisher keine staatlich oder anderweitig geregelten Informationssstandards für BIM. Das kann zu Schwierigkeiten führen, wenn nicht alle Beteiligten kompatible Software benutzen. Durch diesen Umstand wirkt BIM für manche noch unausgereift.

Aus einem digitalen, dreidimensionalen BIM Modell lassen sich problemlos auch die klassischen zweidimensionalen Pläne ziehen. Damit können Bauunternehmen und Handwerker wie gewohnt arbeiten. Mit einer solchen Unterbrechung der BIM-Kette lassen diese sich jedoch wertvolle Informationen durch die Finger gehen. Ebendiese Informationen können eine enorme Zeit und Arbeitsersparnis bedeuten und das auch schon bei kleinen Projekten.

Die BIM Kette

Laut einer Studie der Unternehmensberatung Dr Wieselhuber und Partner aus dem August 2018 legen bisher vor allem sehr große Unternehmen verstärkt Schwerpunkte auf BIM in ihrer Unternehmensstrategie. Dabei liegen Planer wie Architekten und Fachplaner vor Bauunternehmern und Investoren/Bauherren was die heutige Anwendung angeht. Mit einer zunehmend flächendeckenden Verbreitung von BIM in der Planung werden Rufe nach einer durchgängigen BIM-Kette in Bauprojekten lauter – und das nicht zu unrecht. Zwar bringt die BIM Anwendung schon den Planern allein große Effizienzsprünge, ihre volle Kraft entwickelt sie aber erst wenn sie bis über die Fertigstellung hinaus erfolgt.

Sollte die derzeit gute Auftragslage wieder abflachen, kann eine durchgängige BIM Kette der entscheidende Faktor in der Auftragsvergabe werden. Jene Unternehmen, die sich nicht auf den Umgang mit BIM Planungsmodellen eingestellt haben, werden weniger Aufträge annehmen können.

BIM bei Projekten jeder Größe

BIM Anwendung ist eine Umstellung. Im Interview mit der Deutschen Bau Zeitschrift berichtet der Architekt Torben Wadlinger, dass bei der Umstellung zu BIM in seinem Büro mehrere langjährige Mitarbeiter kündigten. Die Veränderungen im Arbeitsalltag können groß sein, ebenso aber auch die Erfolge.  BIM zeigt seinen Nutzen aber nicht nur darin, hoch komplexe Projekte ganzheitlich zu planen. BIM beugt unter anderem Übertragungsfehlern vor und erlaubt eine präzisere Kostenplanung. Es bietet zudem Möglichkeiten zur dreidimensionalen Visualisierung, die dem einzelnen Handwerker bei der Arbeit helfen können, aber auch dem Bauherrn frühzeitig einen Eindruck des Objekts geben können. Alle dies Vorteile sind auch bei kleineren Projekten wertvoll.

Erst, wenn BIM flächendeckend und von allen Beteiligten verwendet wird, entfaltet die neue integrale, dreidimensionale Planung ihr volles Potential. Eine Online Kollaborations-Plattform wie Prozeo ComBind hilft dabei. Auf ihr kommen alle Projekt-Beteiligten zusammen, vom Bauherrn über die Planer bis zum einzelnen Handwerker. Die Aufgabenverteilung wird klar geregelt und Dateien sowie Ergebnisse können gezielt ausgetauscht werden. Das sorgt für sofort strukturierte Bauprojekte.

Bis dahin fürchten viele Unternehmen jedoch, dass ihr individueller Nutzen die Implementierung nicht rentabel macht. Wer sich jedoch wagt und sich heute schon daran macht, mit BIM zu arbeiten, wird auf lange Sicht auf jeden Fall profitieren. Das gilt für große Planungsbüros und Bauunternehmen, ebenso wie für kleinere Büros und Handwerker. BIM ist eine technischer Fortschritt und der lässt sich nicht mehr rückgängig machen. Die Frage ist nur, ob man vorbereitet ist, wenn er flächendeckend wird.